Mohn-Marzipan-Gugl „my style“

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Mein Mann schimpft manchmal mit mir. Nein, wir sind nicht zurück in den 50ern, keine Sorge – aber in diesen speziellen Fällen hat er oft Recht *zähneknirsch*. Warum hat er Recht und worum geht es überhaupt?
Nun, im Herzen bin ich ein kleiner Rebell, der immer seine eigene Variante ausprobieren will. Darum fällt es mir auch so schwer, mich immer 100% genau an Rezepte zu halten. Auf meiner linken Schulter sitzt dann immer so ein kleiner Teufel der mir zuruft „Tu noch dies rein! Nimm noch das dazu! Man könnte aber auch….“. Während dessen sitzt der Engel auf der rechten Schulter, schüttelt Kopf und Flügelchen und murmelt „…sie hat die Schokoladen-Kirsch-Brownie-Katastrophe schon wieder vergessen und nichts daraus gelernt…..“.
Ja, wenn man wie ich oft seinem Impuls zum Improvisieren nachgibt, sind Erfolg und Mißerfolg enge Bekannte. Bin ich also risikofreudig? Jep. Aber bin ich auch unbelehrbar? Nope. Und darum werden solche Experimente mittlerweile zum Original-Rezept notiert. Auf diese Weise können die Mißerfolge vermieden und die Erfolge repliziert werden. Und, auch wichtig und Grund für den Mann dies zu kommentieren: meine Werke sind auf diese Weise auch reproduzierbar durch andere.
Wenn es mal ganz schnell gehen muss, die Köchin unpässlich ist oder durch eine Naturkatastrophe von der Küche ferngehalten wird – dann kann es sein, dass der Mann mal einspringt. Selten, und sicher nicht für alles, aber mit der Zeit doch immer öfter und immer leckerer :). Aber mein Mann ist in der Küche mein Gegenteil: wo ich wagemutig und beherzt improvisiere, hält er sich streng an bewährte Rezepte anderer Leute. Und wenn ich meine Rezept-Abwandlungen nur in meinem Kopf pflege und er dann „nur“ das Originalrezept nachkocht, folgt beim Essen prompt die Standpauke: „Das schmeckt doch bei Dir ganz anders, da hast Du doch wieder, wie soll ich denn….“ .
Ja, ich gestehe, schuldig im Sinne der Anklage. Nach ein paar solcher Situationen habe ich mir also angewöhnt, meine Erfahrungen, Ideen und Geheimnisse zu notieren und für die Nachwelt sichtbar zu machen. Seitdem sehen meine Ordner und Kochbücher viel bunter aus, mit lauter farbigen Post-It-Zetteln, und ich kann mich bald als Kochbuch-Lektorin bewerben 😉
Positiver Nebeneffekt: Mein Mann oder das Kind können das Rezept in gewohnter Weise nachkochen und sind gewarnt vor eventuellen Fehlern in den Rezepten, die ich schon kenne und automatisch ausgleiche oder die durch meine Impro-Show gar nicht erst zum Tragen kommen. Und Ihr glaubt gar nicht, wie viele Fehler auch teure Kochbücher enthalten (20 Gramm Salz oder 5 Gramm Salz sind bei einem mittelgroßen Brot ein Unterschied!).

Ein Parade-Beispiel für „Ich will mich nicht ans Original-Rezept halten“ ist dieses Rezept für Mohn-Marzipan-Gugl. Ich hatte nach einem neuen Guglrezept gesucht, weil ich mir in den letzten Monaten mehrere verschiedene Formen gekauft hatte: Mini-mini-Gugl, alte antike Guglhupf-Formen, klassische Formen in Muffin-Größe…. diese alle wollte ich endlich mal miteinander ausprobieren.
Die gute Nachricht: diesen Test hat das Rezept bestanden, es funktioniert von 1-Haps-Mini-Größe bis Muffin-Größe für alle Gugl-Varianten, man muss nur auf die Anpassung der Backzeit achten. Und auch das mit dem „freestyle“ hat wunderbar funktioniert (was beim Backen schwieriger ist als beim Kochen).

Das Originalrezept ist von kuechengoetter.de. Noch ein kurzes Wort dazu, dann dürft Ihr backen 🙂 Ich mag die Seite sehr, weil dort klar ersichtlich ist, ob ein Rezept von einem privaten User eingestellt wurde oder von der Redaktion stammt. Denn was macht heutzutage den Wert eines Rezeptes aus? Warum gebe ich Geld für Kochbücher oder teure Zeitschriften wie beef aus, obwohl ich selbst Phantasie habe und es so unglaublich viel im Internet gratis zu finden gibt? Ganz klar: die erprobte Funktionalität des Rezepts oder anders: die Risikominimierung beim Nachmachen und die Garantie, dass es gelingt und einen gewissen Mindeststandard an Geschmack und Güte aufweist.

Die einzelnen Schritte und die Originalrezeptur findet Ihr bei den Küchengöttern. Viel Spaß beim freestylen! 🙂

(Mini-)Mohn-Marzipan-Gugl „my style“

Meine Zutaten

Grundsätzlich habe ich den Großteil der Mengenangaben mal 4 genommen, da das Originalrezept nur für 1/2 Blech bzw. 6 Mini-Gugl reicht.

  • 1 kleine Bio-Orange
  • 1 Vanilleschote
  • 200 g Marzipanrohmasse
  • 200 g weiche Butter
  • 1 Prise Salz
  • 4 Eier
  • 140 ml Milch
  • 160 g Rohrzucker
  • 340 g Mohnsamen
  • 280 g Mehl
  • 4 gestrichene TL Backpulver
  • 150 g Orangenkonfitüre (im Original Aprikose)
  • evtl. weiche Butter und Mehl für die Förmchen falls nötig
  • Puderzucker zum Bestäuben

Außerdem habe ich folgendes dem Originalrezept hinzugefügt:

  • 1,5 EL Rosenwasser (Marzipan und Rosenwasser sind liebste Freunde, die niemand trennen sollte)
  • 2 EL Cointreau – um die Orangennote konsequent durchzuziehen. Darum auch der Austausch der Aprikosenkonfitüre aus dem Originalrezept gegen Orangenmarmelade für die Glasur.
  • Zusätzlich habe ich die Orange, von der im Originalrezept nur die
    Schale verwendet wird, noch komplett ausgepresst und den Saft auch
    hinzugefügt, damit der Teig flüssiger ist und leichter in die
    Mini-Förmchen rein und wieder raus kommt.

Update: An Heiligabend 2014 gab´s die Kleinen zusammen mit einem Spekulatiusmousse und Orangensauce, dazu ein Vin Santo. Hmmm…

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